München/Detroit, 20. April 2012, Roland Berger stellt seine neueste Auflage der Studie “Lithium-Ionen-Batterien für Autos” vor. Das Unternehmen beschreibt darin die Entwicklung des Weltmarkts für Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge als sehr dynamisch. Die Experten gehen angesichts der kürzlich vorgestellten oder angekündigten Fahrzeugmodelle mit elektrischem, Hybrid- oder Plug-in-Hybridantrieb (xEV) davon aus, dass der Weltmarkt für Lithium-Ionen-Batterien auf über 9 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2015 steigen wird. Und das obwohl die Prognosen für bereits angekündigte Fahrzeugmodelle gesenkt wurden.
Überkapazitäten vorprogrammiert
Laut Berger wird das Wachstum beträchtliche Überkapazitäten nach sich ziehen. Der dadurch entstehende Preisdruck, so das Unternehmen, prägt bereits jetzt die Bestellungen für das Jahr 2015. Es ist daher eine Marktkonsolidierung zu erwarten.
Fünf Unternehmen kontrollieren 70 Prozent des Marktes
Die wichtigsten Erkenntnisse aus der Lithium-Studie sind neben der Marktkonsolidierung und den vorprogrammierten Überkapazitäten jedoch, dass fünf Spitzenreiter bis zum Jahr 2015 nahezu 70 Prozent des Marktes kontrollieren werden. Darunter sind laut Berger die Unternehmen AESC, LG Chem, Panasonic/Sanyo, A123 und SB LiMotive.
Weiterhin gehen die Experten davon aus, dass 2015 über 85 Prozent des gesamten Marktes für Lithium-Ionen-Batterien auf das Light Vehicle-Segment (PKWs und leichte Nutzfahrzeuge) entfallen werden. Zu diesem Zeitpunkt werden voraussichtlich über 4 Millionen Fahrzeuge mit elektrischem, Hybrid- oder Plug- in-Hybridantrieb (xEV) jährlich auf den Markt kommen.
Thomas Wendt von Roland Berger Strategy Consultants: “Wir erwarten auch, dass der Weltmarkt für Lithium-Ionen-Batterien bis zum Jahr 2015 auf 9 Milliarden Dollar wachsen wird. Die Prognosen für viele bereits aufgelegte Programme werden zwar revidiert, doch in Asien gibt es neue xEV-Modelle, vor allem Hybrid-Fahrzeuge. Auch wenn japanische und koreanische Automobilhersteller auf alternative Antriebstechnologien setzen, wird die Mehrheit der produzierten Hybrid-Fahrzeuge bis 2015 mit Nickel-Metall-Hybrid-Batterien ausgestattet sein.”
Nickel-Metall-Hybrid-Batterien und Lithium-Ionen-Technologie laufen parallel
Trotz dessen, dass Nickel-Metall-Hybrid-Batterien in bestimmten Segmenten bis 2015 weitere Verwendung finden werden, geht Roland Berger von einer weiteren Expansion der Lithium-Ionen-Technologie aus.
Wolfgang Bernhart, Partner von Roland Berger: “Wir sehen erste Anzeichen für eine Verwendung von Lithium-Ionen-Batterien in Start-Stopp-Systemen. Auf Start-Stopp-Systeme wird bis 2015 zwar kein großer Marktanteil entfallen, aber wir rechnen in den nächsten Jahren damit, dass Mikro-Hybrid-Fahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterien auf den Markt kommen werden.”
Marktdominanz
Der Weltmarkt für Lithium-Ionen-Batterien für Fahrzeuge umfasst derzeit über 100 Unternehmen. Jedoch wird die Produktionskapazität in diesem Markt bis 2015 voraussichtlich doppelt so groß sein wie die Nachfrage.
“Einige Batteriehersteller haben unverhältnismäßig ehrgeizige Expansionspläne. Das hat schon jetzt spürbare Konsequenzen: Lieferanten im Lithium-Markt korrigieren ihre Prognosen bereits nach unten”, so Wendt. “Aus diesem Grund wird es zu einer umfassenden Marktkonsolidierung kommen. Der Preisdruck wird steigen.”
“Wir erwarten für 2015 Preise für Hoch-Energie-Zellen von etwa 180 bis 200 Euro/kWh für OEMs (Original-Equipment-Manufacturer) bei größeren Stückzahlen. Damit werden sich auch die heutigen Margen von zwischen 5 bis 10 Prozent mittelfristig verringern”, sagt Bernhart.
Im Zuge dieser Konsolidierung im Lithiummarkt werden sich fünf Spitzenreiter den Großteil des Batteriemarktes im Jahr 2015 unter sich aufteilen: AESC (20 Prozent), LG Chem (15 Prozent), Panasonic/Sanyo (13 Prozent), A123 (11 Prozent) und SB LiMotive (9 Prozent).
“Einige OEMs haben ihre Marktprognosen bezüglich Elektro- und Hybridfahrzeugen gesenkt und einige neue Hersteller sind bereits gescheitert. Trotzdem gehen wir davon aus, dass der Batteriemarkt für die Elektromobilität in den kommenden Jahren stark wachsen wird”, ergänzt Wendt. Außerdem werden ab 2016/2017 ein bis zwei weitere Unternehmen in den Kreis der Top-Player aufsteigen, die 80 bis 90 Prozent des Marktes unter sich aufteilen. Auslöser dieser Entwicklung sind neue Fahrzeuge die auf den Markt kommen und der Umstieg auf neue Materialzusammensetzungen, die höhere Energiedichten bei gleichen Preisen ermöglichen.
“In eine schwierige Lage geraten vor allem kleine Lieferanten, deren gemeinsamer Weltmarktanteil sich 2015 lediglich auf 2 Prozent belaufen wird. Erste Unternehmen sind bereits insolvent. Die Marktkonsolidierung der Lithium-Branche ist nicht mehr aufzuhalten. Dabei werden große Unternehmen, die noch nicht im Rampenlicht stehen, wie etwa JCI, eine wichtigere Rolle spielen. Kleinere Akteure könnten hingegen von der Bildfläche verschwinden. Außerdem gehen wir davon aus, dass Batteriehersteller OEMs in Zukunft direkt beliefern werden”, erklärt Bernhart.
Hersteller aus China auf dem Vormarsch
Auch die Konkurrenz chinesischer Hersteller nimmt auf dem Batteriemarkt deutlich zu: Bis 2015 werden Anbieter aus China rund 8 Prozent des Weltmarktes kontrollieren; bis 2020 könnte sich China sogar zum größten E-Mobilitätsmarkt entwickeln. Für internationale Batteriehersteller stellt dieser Trend sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung dar: Batteriehersteller müssen sich auch auf dem chinesischen Markt hervorragend positionieren, wenn sie langfristig erfolgreich sein wollen.
Download der Lithium-Studie (nur in Englisch verfügbar): Global Vehicle LiB Market Study Update
Quelle: Roland Berger